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www.lgrb-bw.de | 18.11.2018
LANDESAMT FÜR GEOLOGIE, ROHSTOFFE UND BERGBAU

02.09.2008: Vor 30 Jahren bebte es auf der Schwäbischen Alb

CD-Dokumentation des LGRB

„"Seit 1911 das schlimmste Erdbeben in Deutschland“" – „-- "Voller Angst stürzten Tausende ins Freie“" – „-- "Katastrophenalarm im Zollern-Alb-Kreis“" – „-- "25 Verletzte und Millionenschaden“" – -- "„In Tailfingen sah es aus wie nach einem Bombenangriff“", so titelte die lokale Presse am Tag nach dem Erdbeben vor 30 Jahren auf der Schwäbischen Alb.

Das Erdbeben vom Sonntag, den 03.09.1978 ereignete sich um 6:08 Uhr Ortszeit mit Epizentrum in der heutigen Gemeinde Albstadt im Zollernalbkreis. Die Stärke des Bebens wurde mit 5,7 auf der Richterskala gemessen, die Erschütterungen waren im Umkreis von etwa 300 km spürbar. Zu den Auswirkungen des Bebens in Albstadt 1978 heißt es in einer CD-Dokumentation, die das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB) im Regierungspräsidium Freiburg erstellt hat:
„Mehrere tausend Gebäude in Albstadt waren in erheblichem Maße beschädigt. Einige hundert Gebäude mussten sicherheitshalber abgestützt werden. Die Schäden an einigen dutzend Gebäuden (vor allem in Albstadt-Tailfingen und in Albstadt-Onstmettingen) waren so gravierend, dass ein Abriss empfohlen wurde. Dementsprechend wurden Abbrüche bzw. Teilabbrüche von Gebäuden vorgenommen. In etwa 2000 Fällen mussten die Kamine von Wohngebäuden abgetragen werden, in etwa 20 Fällen wurden Fabrikkamine teilweise abgebrochen. Bei einer sehr großen Anzahl von Gebäuden mussten Reparatur- bzw. Sanierungsmaßnahmen vorgenommen werden. Der Sachschaden an Gebäuden betrug nach Schätzung der Münchner Rück-Versicherung insgesamt etwa 275 Mio. DM (ohne Folgeschäden).“

Vor 1911 war es, soweit die Aufzeichnungen zurückreichen, auf der Zollernalb seismisch vergleichsweise ruhig gewesen. „Wie mit einem Paukenschlag“ begann mit einem Beben am 16.11.1911 eine für mitteleuropäische Verhältnisse ungewöhnlich starke Erdbebenaktivität. Die bislang stärksten Beben im Raum Albstadt ereigneten sich in den Jahren 1911, 1943 und 1978. Verantwortlich für die Erdbebentätigkeit ist die auch heute noch aktive „Albstadt-Scherzone“. Diese gehört zu einem in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Bruchsystem, das sich vom Bodensee über Albstadt bis in den Raum Stuttgart erstreckt. Der oft zitierte Hohenzollerngraben ist übrigens nicht die Ursache der Erdbeben auf der Zollernalb.

Die CD enthält Bilder der Bauwerksschäden, z. B. heraus gefallene Giebelwände, teilweise tiefe Mauerrisse, beschädigte und abgestürzte Schornsteine, abgeworfene Dachziegel und Mauerteile etc.. Ebenfalls enthalten sind Bilder der Katastrophen- und Rettungssituation in den Stunden und Tagen nach dem Erdbeben sowie Bilder bei und nach Gebäudesanierung, Reparatur und Wiederaufbau in den nachfolgenden Wochen und Monaten. Herausgeber der CD ist die Deutsche Gesellschaft für Erdbebeningenieurwesen und Baudynamik e.V., Bezug über www.dgeb.org, Rubrik „Nachrichten“ oder über das LGRB im „LGRB-Shop“.

Das LGRB misst ständig die Erdbebenaktivität im Land. Sein Landeserdbebendienst hält aktuelle Erdbebeninformationen bereit und berät mit seinen Wissenschaftlern rund um Erdbeben in Baden-Württemberg (siehe ). Erdbeben lassen sich bis heute nicht vorhersagen. Um so mehr ist es notwendig, schon bei Planung, Konstruktion und Ausführung die Regeln erdbebensicheren Bauens zu beachten. Grundlage hierfür ist die Erdbebenbaunorm DIN 4149 "Bauten in deutschen Erdbebengebieten - Lastannahmen, Bemessung und Ausführung üblicher Hochbauten". 2005 erschien eine Neufassung dieser Norm mit einer neuen Karte der Erdbebenzonen. Das Gebiet um Albstadt ist – wie vorher – in die höchste Erdbebenzone der Karte eingestuft.
Weitere Informationen zur Bautechnik stehen in der neu aufgelegten Broschüre des Wirtschaftsministeriums: „Erdbebensicher Bauen, Hinweise für das Bauen in Erdbebengebieten Baden-Württembergs“ (kostenloser Bezug über www.wm.baden-wuerttemberg.de, Rubrik „Informationsmaterial“, „Energie und Wohnungsbau“, „Bauen“).

Weitere Auskünfte durch Dr. W. Brüstle (0761 / 208 3080)